Das Bildungspaket...

Hartz IV: Änderungen beim Bildungspaket

Der Deutsche Bundestag hat einige Änderungen beim sogenannten Bildungspaket beschlossen. Für Kinder aus Hartz IV Familien ist es künftig immer noch nicht leichter, die Leistungen des Teilhabepaketes in Anspruch zu nehmen.

Quelle des Berichts: 

Die bereit gestellten Millionen für das Bildungspaket versickern in den Kommunen und werden zunehmend zur Sanierung der Haushaltslöcher verwandt (wir berichteten hier). Nun hat der Bundestag einige Änderungen beschlossen, die ab dem 1. August 2013 in Kraft treten sollen. Wir haben uns die „Reformen“ genauer angeschaut und zusammengefasst.

Die bisherige Bedarf wie Mitgliedsbeiträge, Freizeiten und nunmehr auch der Bedarf an Ausrüstungsgegenständen oder anderen Aufwendungen im Zusammenhang zu Teilhabe-Aktivitäten wird auf maximal 10 Euro pro Monat gedeckelt. Ein Betrag der nicht ausreicht, um sinnvolle Aktivitäten zu unternehmen, wenn es für den Fußballverein an adäquaten Sportschuhen mangelt

1. Die Antragsfiktion und -rückwirkung (vgl. u. a. § 30 Satz 2 des Zweiten Buches Sozialgesetzbuch – SGB II – neu) in Fällen begründeter Selbsthilfe (ausnahmsweise nachträgliche Erstattung bereits vom Berechtigten verauslagter Mittel für Bildungs- und Teilhabeleistungen) auf den Zeitpunkt der Selbstvornahme gilt nur für Bildungs- und Teilhabeleistungen. Für die dem Bildungspaket notwendigerweise vorangehenden Grundleistungen wie Kinderzuschlag oder Wohngeld gilt diese Antragsfiktion und - rückwirkung nicht.

2. Die Möglichkeit der Geldleistung für Klassenfahrten bedeutet keine prinzipielle Abkehr vom Grundsatz des Sachleistungsprinzips.

3. Bei Schülerfahrkarten, die auch privat nutzbar sind, ist ein Eigenanteil von mindestens 5 Euro anzurechnen. Dieser Mindestbetrag ergibt sich aus der Auswertung empirischer Daten zum durchschnittlichen Mobilitätsverhalten von Schülerinnen und Schülern.

4. Durch die Möglichkeit der pauschalen Abrechnung mit Leistungsanbietern in der Sozialhilfe entstehen keine Mehrkosten, da dieser Erbringungsweg untergesetzlich bereits nach geltendem Recht besteht. (aus Bundestag, wm)

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Nachhilfe für Hartz-IV-Kinder

Nur wenn das Lernziel erreicht werden kann

Quelle des Berichts:
http://www.biallo.de/finanzen/Soziales/nachhilfe-fuer-hartz-iv-kinder-nur-wenn-das-lernziel-erreicht-werden-kann.php
 
Von Rolf Winkel

Das Bildungspaket für Kinder von Hartz-IV-Familien, Kinderzuschlag- und Wohngeld-Beziehern gibt es inzwischen seit einem guten halben Jahr – solange gelten auch die neuen Regeln zur Nachhilfeförderung. Erste Sozialgerichtsurteile hierzu liegen inzwischen vor.
 
Mit dem Bildungspaket finanziert der Staat Kindern bedürftiger Familien eine „ergänzende angemessene Lernförderung“
Das Bildungspaket für Kinder von Hartz-IV-Familien, Kinderzuschlag- und Wohngeld-Beziehern gibt es inzwischen seit einem guten halben Jahr – solange gelten auch die neuen Regeln zur Nachhilfeförderung. Erste Sozialgerichtsurteile hierzu liegen inzwischen vor.

Der Staat finanziert Kindern bedürftiger Familien eine „ergänzende angemessene Lernförderung“. Diese muss – nach dem SGB II –„geeignet und zusätzlich erforderlich“ sein, um die „nach den schulrechtlichen Bestimmungen festgelegten wesentlichen Lernziele zu erreichen“. In der Gesetzesbegründung finden sich folgende nähere Erläuterungen: Unmittelbare schulische Nachhilfeangebote haben Vorrang vor externen Angeboten von Nachhilfeinstitutionen. In der Regel soll nur eine kurzfristig notwendige Lernunterstützung finanziert werden, die geeignet ist, um „vorübergehende Lernschwächen zu beheben“.

Schulbescheinigung: Wenn Eltern eine Nachhilfeförderung beantragen, müssen sie sich den Nachhilfebedarf vom Lehrer ihrer Kinder bescheinigen lassen. Die Bescheinigung muss dann bei der Kommune im Jobcenter bzw. bei dem jeweils zuständigen Kostenträger eingereicht werden.
Widerspruch und Klage möglich: Wenn Eltern und die zuständigen Ämter darüber streiten, ob die Nachhilfe sinnvoll ist, können Betroffene gegen eine ablehnende Entscheidung Widerspruch und Klage einlegen.

Rechtsmittelfähiger Bescheid: Um sich gegen die Ablehnung einer Nachhilfe-Finanzierung wehren zu können, brauchen Eltern und Kinder allerdings einen rechtsmittelfähigen schriftlichen Bescheid. Niemand sollte sich daher mit einer mündlichen Absage (etwa: „das kommt in Ihrem Fall überhaupt nicht in Frage“) abspeisen lassen.

Sozialrichter als „Nachhilfeexperten“: Im Falle einer Klage müssen die Sozialrichter etwas tun, wozu sie mit Sicherheit nicht ausgebildet sind: Sie müssen entscheiden, ob Nachhilfe sinnvoll und notwendig ist. Erste Urteile liegen inzwischen vor.

Keine Nachhilfe, wenn die Noten zu schlecht sind: Das Sozialgericht Frankfurt lehnte die Übernahme von Nachhilfekosten für einen 16-jährigen Gymnasiasten ab, weil es diesen sozusagen für einen hoffnungslosen Fall hielt: Auch mit Nachhilfe sei die Versetzung in die nächste Klasse für den Betroffenen nicht zu erreichen (AZ.: S 26 AS 463/11 ER). Das Urteil ist inzwischen in die nächste Instanz gegangen. Der Fall wird vor dem Landessozialgericht Hessen nochmals aufgerollt (Az. beim LSG.: L 7 AS 299/11 B ER).

Kostenübernahme auch bei Entwicklungsverzögerung: Das Oldenburger Sozialgericht kam dagegen in einer rechtskräftigen Entscheidung (Az: S 49 AS 611/11 ER) zu einer positiven Entscheidung für die Kläger. In diesem Fall ging es um ein Kind mit dauerhaften Schwächen (Legasthenie, Entwicklungsverzögerung), die durch die Nachhilfe wohl kaum grundsätzlich überwunden werden können. Dies stehe einer Förderung nicht entgegen, befand das Gericht. Die Entscheidung über den Förderbedarfs sei eine pädagogisch gebotene Diagnoseaufgabe der Lehrkräfte des betroffenen Schülers. Diesen Bedarf hatten die zuständigen Lehrkräfte bestätigt – also müsse das Jobcenter die anfallenden Kosten übernehmen.

Angemessene Kosten: Falls Förderbedarf besteht, gibt es keine gesetzliche Deckelung der Förderung nach oben. Finanziert werden Nachhilfekosten in angemessener Höhe. Hierzu heißt es in der Gesetzesbegründung: „Angemessen ist Lernförderung, wenn sie im Rahmen der örtlichen Angebotsstruktur auf kostengünstige Anbieterstrukturen zurückgreift. Übernommen werden Kosten, die sich – so das Bundesarbeitsministerium – an den „ortsüblichen Preisen für Lernförderung orientieren“.

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Bildungspaket gemäß Hartz IV-Reform 2011

Zum Antrag auf Leistungen für Bildung & Teilhabe

Zum Antrag auf Leistungen für Bildung & Teilhabe

Die Regelsätze für Kinder und Jugendliche bleiben, dafür werden künftig rund 2,5 Millionen Kindern zusätzliche Leistungen erhalten. Unterstützt werden Familien, die auf Hartz IV, Kinderzuschlag oder Wohngeld angewiesen sind. Das Bildungspaket sieht für die Mitgliedschaft in Sport- oder anderen Vereinen sowie für Musikunterricht insgesamt bis zu 120 Euro pro Jahr und Kind vor. Mittagessen in Hort oder Schule werden mit bis zu zwei Euro bezuschusst – einen Euro müssen die Eltern zahlen. Ein Gutschein über 30 Euro soll die Teilnahme an eintägigen Schul- oder Kitaausflügen ermöglichen. Eltern können außerdem Nachhilfe und Fahrkostenzuschlag für ihre Kinder beantragen. Dazu kommen die 100 Euro jährlich für Schulranzen, Hefte, Ordner und Taschenrechner, die der Staat bereits vorher gewährte.

Das ist drin im Bildungspaket

Kultur, Sport, Mitmachen:
Bedürftige Kinder sollen in der Freizeit nicht ausgeschlossen sein, sondern bei Sport, Spiel oder Kultur mitmachen. Deswegen wird zum Beispiel der Beitrag für den Sportverein oder für die Musikschule in Höhe von monatlich bis zu 10 Euro übernommen.

Schulbedarf und Ausflüge:
Damit bedürftige Kinder mit den nötigen Lernmaterialien ausgestattet sind, wird den Kindern zwei Mal jährlich ein Zuschuss gezahlt, zu Beginn des Schuljahres 70 Euro und im Februar 30 Euro – insgesamt 100 Euro. Zudem werden die Kosten eintägiger Ausflüge in  Schulen und Kitas finanziert. Mehrtägige Klassenfahrten werden wie bisher erstattet.

Lernförderung:
Bedürftige Schülerinnen und Schüler können Lernförderung in Anspruch nehmen, wenn nur dadurch das Lernziel - in der Regel die Versetzung in die nächste Klasse - erreicht werden kann. Voraussetzung ist, dass die Schule den Bedarf bestätigt und keine vergleichbaren schulischen Angebote bestehen. Die Kommune kennt die Angebote vor Ort und hilft dabei, das passende zu finden.

Mittagessen in Kita, Schule und Hort:
Einen Zuschuss fürs gemeinsame Mittagessen gibt es dann, wenn Kita, Schule oder Hort ein entsprechendes Angebot bereithalten. Der verbleibende Eigenanteil der Eltern liegt bei einem Euro pro Tag.

Schülerbeförderung:
Insbesondere wer eine weiterführende Schule besucht, hat oft einen weiten Schulweg. Sind die Beförderungskosten erforderlich und werden sie nicht anderweitig übernommen, werden diese Ausgaben erstattet.

Orientierungshilfe des Caritasverband zum Bildungspaket

Der CV hat eine umfassende und fundierte Orientierungshilfe für die Beraterinnen und Berater zu den Leistungen für Bildung und Teilhabe für Kinder und Jugendliche herausgegeben. Diese ist hier zu finden:

http://www.harald-thome.de/media/files/110323-CV-Orientierungshilfe.pdf

Orientierungshilfe des Caritasverband zum Bildungspaket

Der CV hat eine umfassende und fundierte Orientierungshilfe für die Beraterinnen und Berater zu den Leistungen für Bildung und Teilhabe für Kinder und Jugendliche herausgegeben. Diese ist hier zu finden:

http://www.harald-thome.de/media/files/110323-CV-Orientierungshilfe.pdf

Antrag Vordruck zum Bildungspaket

Erstellt von www.gegen-hartz.de

Antrag auf Nachzahlung und Bewilligung von Leistungen für Bildung und Teilhabe (Bildungspaket)
Antrag auf Nachzahlung von Kosten für Warmwasser [gilt nur für Hartz-IV-Bezieher]

Name/ Anschrift:
BG Nummer:
Datum:

Hiermit beantragen wir ... und ....[Einfügen: Namen der volljährigen Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft] – auch für unsere Kinder ...
und .... [Einfügen: Namen der minderjährigen Kinder] – uns folgende Leistungen zu bewilligen bzw. nachzuzahlen:

Wir beantragen die Übernahme der Mehraufwendungen für die gemeinschaftliche Mittagsverpflegung seit dem 1.1.2011 in Form einer Geldleistung bis zur Einführung von Gutscheinen und die Weiterbewilligung für 2011. Es sind pro Monat und Kind 26 Euro zu bewilligen.

Wir beantragen die Kostenübernahme der Schülermonatskarten für unsere Kinder in Höhe von ... und ... Euro [Einfügen: Kosten der Fahrkarten] sowie die Erstattung der seit Jahresbeginn bereits angefallenen Kosten in Höhe von...Euro.

Wir beantragen die Übernahme der Kosten für Vereinsmitgliedschaften und Ähnlichem seit dem 1.1.2011 in Form einer Geldleistung bis zur Einführung von Gutscheinen und die Weiterbewilligung für 2011. Es sind pro Monat und Kind 10 Euro zu bewilligen.

Wir beantragen vorab die Übernahme der Kosten für Klassenfahrten und Schul- bzw. Kita-Ausflüge für das Jahr 2011.
Für schon stattgefundene Schul- bzw. Kita-Ausflüge sind uns seit dem 1.1.2011 Kosten entstanden in Höhe von...Euro. Wir beantragen die Erstattung dieser Kosten.

Wir beantragen für alle Mitglieder der Bedarfsgemeinschaft die Nachzahlung der Kosten der Warmwasseraufbereitung
seit dem 1.1.2011 nach § 77 Abs. 6 SGB II NEU. Des weiteren Beantragen wir, diese Kosten im Anschluss im Rahmen der Kosten der Unterkunft bzw. als Mehrbedarf nach § 21 Abs. 7 SGB II NEU zu gewähren. [Dieser Absatz gilt nur für Hartz-IV-Bezieher]
Mit freundlichen Grüßen... [Ihr Name und Unterschrift]

Anmerkung: Weitere Informationen entnehmen Sie dem nachstehenden Link: http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-bildungspaket-jetzt-ansprueche-sichern-7021.php
         

 

Blaue Briefe, bitte!

 

 

Wie der Hartz-IV-Kompromiss in den Schulen ankommt

 

Bisher schien es, als hätte der Hartz IV-Kompromiss nur Verlierer produziert: die Empfänger, die auf mehr gehofft hatten; die Bundesagentur für Arbeit, aus deren Etat die Ausgaben für das Bildungspaket abgezapft werden sollen. Und die Verhandlungsführerinnen von der Leyen (CDU) und Schwesig (SPD), deren gegenseitige Missgunst beide mies aussehen ließ. Aber nein, zumindest einen Gewinner hat es gegeben. Es ist der blaue Brief.

 

»Mitmachen möglich machen!« – der neue Slogan der Bundesregierung soll 2,5 Millionen Kindern nun ermöglichen, bei Sport, Musik und Kultur dabei zu sein, beim Schulessen und bei Ausflügen. Und, ganz wichtig: Sie bekommen Lernförderung. Aber nur, wenn die Versetzung gefährdet ist. Und wie weist man das am besten nach? Genau! Jahrzehntelang war er gefürchtet, war Grund für Ausreißertragödien, Tränen und Familienkrach. Vorbei.

 

Acht Antworten zum „Bildungspaket“

 

 
Zusätzlich zum bestehenden Hartz-IV-Regelsatz haben 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche aus bedürftigen Familien nun einen Anspruch auf Leistungen aus dem sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket. Dieser wird rückwirkend zum 1. Januar 2011 gewährt, wenn Eltern bei den entsprechenden Stellen Anträge einreichen und Belege vorlegen.
Kinder sollen durch die jüngste Hartz-IV-Reform besser gefördert werden
Haben nur Kinder aus Hartz-IV-Familien Anspruch auf das Bildungspaket?

Nein. Die Leistungen gibt es auch für Familien, die lediglich Wohngeld beziehen oder statt Hartz IV den Kinderzuschlag erhalten. Außerdem natürlich Familien, die Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II erhalten.

Wer ist zuständig?

Für Bezieher von Hartz IV sind in der Regel die Vertreter der Kommune im örtlichen Jobcenter zuständig. Familien, die Wohngeld oder den Kinderzuschlag erhalten, sollten sich im Rathaus oder Bürgeramt nach den zuständigen Ansprechpartnern erkundigen.

Welche Leistungen gibt es im Einzelnen?


Es gibt Zuschüsse fürs warme Mittagessen in Kita, Schule und Hort. Bis zu zwei Euro pro Tag werden den betroffenen Familien hierfür erstattet. Einen Eigenanteil in Höhe eines Euro müssen sie selbst tragen. Bei einem Essen, das drei Euro kostet, beteiligt sich der Staat also mit zwei Euro. Für eine rückwirkende Erstattung der Kosten für das Schul-, Kita- oder Hortmittagessen müssen die Eltern einen Nachweis erbringen, dass ihr Kind im Zeitraum Januar bis März am gemeinsamen Mittagessen teilgenommen hat.
 
Was gibt’s für Kultur, Sport und Freizeitaktivitäten?

Alle betroffenen Familien haben für jedes Kind zweckgebunden Anspruch auf zehn Euro pro Monat, z.B. für die Mitgliedschaft in einem Sportverein. Eine rückwirkende Erstattung ist möglich, wenn die Eltern nachweisen, dass ihr Kind Mitglied in einem Verein war oder an Kursen teilgenommen hat.
 
Nachhilfe, Schulbedarf und Co.
 
Welche Leistungen gibt’s für Lernförderung bzw. Nachhilfe?

Hier gibt es keine gesetzliche Deckelung nach oben. Voraussetzung für die Kostenübernahme durch den Staat ist, dass die Lernförderung erforderlich, geeignet und angemessen ist, um z.B. die Versetzung in die nächste Klasse zu erreichen. „Doch Eltern können ihre Kinder nicht einfach zur Nachhilfe schicken und davon ausgehen, dass die Kosten schon übernommen werden“, sagt Christian Westhoff, Sprecher des Bundesarbeitsministeriums. Vielmehr müssen sich Eltern den Bedarf vom Lehrer ihrer Kinder bescheinigen lassen. Die Bescheinigung muss dann bei der Kommune im Jobcenter eingereicht werden.

Gibt es auch weitere Leistungen für den Schulbedarf – ohne Einzelnachweis?

Ja. Dafür gibt es eine Geldleistung, die ohne Antrag zusammen mit dem Regelsatz an die Eltern ausgezahlt wird. „Die nächste Auszahlung (70 Euro) erfolgt zum 1. Schulhalbjahr im August 2011. Zu Beginn des 2. Schulhalbjahres im Februar 2012 werden nochmals 30 Euro ausgezahlt“, so das Bundesarbeitsministerium.

Und was gilt bei den Fahrtkosten zur Schule?

Wenn Kinder zur Erreichung der nächstgelegenen Schule auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind und die Kosten nicht von anderer Seite übernommen werden, beteiligt sich der Staat hieran. Dafür gibt es entweder einen Zuschuss (wenn z.B. die Monatskarte auch privat genutzt werden kann) oder es werden die gesamten Kosten übernommen.

Was ist mit den Kosten von Klassenfahrten und eintägigen Ausflügen in Schule und Kita?

Die Kosten für  Klassenfahrten übernehmen für Kinder aus Hartz-IV-Familien nach wie vor die zuständigen Träger. Soweit die Familien Wohngeld oder den Kinderzuschlag erhalten, werden diese Kosten nicht vom Staat getragen. Anders sieht es bei eintägigen Ausflügen aus. Diese werden bei Kindern bedürftiger Familien künftig auf Antrag generell übernommen. Kosten für Ausflüge im Zeitraum Januar bis März 2011 können rückwirkend erstattet werden, wenn die Teilnahme am Ausflug z.B. durch eine Bescheinigung der Schule oder Kita nachgewiesen wird.
 

Bildungspaket ist Mammutaufgabe für Jobcenter

Quelle des Berichts: 

Damit Kinder aus Hartz-IV-Familien in Sportvereinen Mitglied sein können, ohne das knappe Budget der Eltern zu belasten, soll es im nächsten Jahr Gutscheine für die Mitgliedsbeiträge geben. (Foto: Gohl/WAZ FotoPool)

Am 1. Januar 2011 soll das Bildungspaket geöffnet werden. Statt Bargeld soll es dann Gutscheine für bestimmte Leistung zur Unterstützung von Kindern aus Hartz-IV-Familien geben. Die Zeit drängt und der Organisationsaufwand ist enorm.

Anfang 2011 sollen Kinder von Langzeitarbeitslosen und Geringverdienern Nachhilfe, Schulessen und den Sportverein bezahlt bekommen. Doch damit das auch funktioniert, müssen sich alle Beteiligten darauf vorbereiten, und das sind viele: die Jobcenter, die Eltern, aber auch sämtliche Schulen und Sportvereine in Deutschland.

Dabei ist noch nicht einmal klar, ob es überhaupt am 1. Januar los geht. Das Gesetz kommt erst am 17. Dezember in den Bundesrat. Muss es in den Vermittlungsausschuss, kann es erst im kommenden Jahr verabschiedet werden. Nur: Die Kinder haben ein Recht darauf – das Bundesverfassungsgericht hat das Datum 1. Januar 2011 gesetzt.

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) muss sich notgedrungen am Gesetzentwurf orientieren. Die Zeit drängt: Alle Jobcenter müssen mit sämtlichen Leistungserbringern Verträge abschließen, um das Geld auszahlen zu können. Denn es wird als Gutschein ausgeteilt. Den muss der Verein, die Schule oder der Nachhilfelehrer einlösen und sich das Geld vom Jobcenter überweisen lassen. „Wir reden über rund 90.000 Sportvereine in Deutschland und 30.000 Schulen“, sagt BA-Vorstand Heinrich Alt.

Jobcenter müssen Bildungs-Angebote prüfen

Der Aufwand ist gigantisch: Derzeit werden Listen mit allen potenziellen Leistungserbringern erstellt. Das geht nicht ohne eine gewisse Qualitätsprüfung, schließlich wollen sich die Jobcenter nicht vorwerfen lassen, Geld für rechtsradikale Vereine oder Pädophile auszugeben.

Ob Kinder Hilfe erhalten, wird vor allem an den Eltern liegen. Was sie wie beantragen können:

Neu ist, dass auch eintägige Klassenfahrten bezahlt werden. Dafür sind 30 Euro pro Schuljahr vorgesehen. Den Gutschein dafür müssen die Eltern wie fast alle anderen Leistungen persönlich im Jobcenter beantragen. Das gilt somit auch für das warme Mittagessen, so es in der Schule angeboten wird. Einen Euro pro Mahlzeit sollen die Eltern aber selbst zahlen.

Das Schulstarterpaket für Materialien wie Stifte und Hefte wird als einzige Leistung des Bildungspakets wie bisher den Eltern überwiesen. Allerdings nicht mehr 100 Euro zum Beginn des Schuljahres, sondern zunächst 70 Euro und zum Halbjahr weitere 30 Euro.

Nachhilfe kann nicht einfach so beantragt werden. Dafür muss die Schule dem Jobcenter mitteilen, dass ein Kind die Versetzung durch Nachhilfe noch schaffen könnte. Sie soll möglichst in der Schule selbst gegeben werden – von Lehrern oder auch älteren Schülern, die dafür Geld erhalten. Es kann aber auch sein, dass ein Kind professionelle Hilfe be­nötigt, etwa von einem Logopäden. Deshalb ist das Geld für Nachhilfe im Einzelfall faktisch auch nicht gedeckelt.

Rechtsanspruch auf Lern-Nachhilfe

BA-Vorstand Alt schließt nicht aus, dass die mit 90 Millionen Euro im Jahr veranschlagten Kosten für Nachhilfe noch steigen könnten. „Es gibt einen Rechtsanspruch auf diese Leistungen. Und wenn mehr Anträge gestellt werden als das Budget hergibt, dann muss das Budget angepasst werden“, sagte Alt.

Für Vereinsbeiträge oder Kursgebühren, etwa für Musikunterricht, gibt es pro Kind zehn Euro im Monat. Auch dieses Geld wird als Gutschein verteilt, die Vereine rechnen es dann mit dem Jobcenter ab.

Irgendwann, wenn die Technik vorhanden ist, soll die Bildungs-Chipkarte kommen, um alle Leistungen elektronisch abzurechnen. Wann das sein wird, weiß niemand.

Auch Alt favorisiert die Karte und nennt Borussia Dortmund als Vorbild. „Wenn alle Vereine eine abrechnungsfähige Mitgliedskarte hätten, wäre das die beste, weil völlig diskriminierungsfreie Lösung. Wir könnten diese Karte mit Geld beladen und niemand sieht, woher das Geld kommt.“

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Lastminute Nordsee