Kinderarmut...

Wo Deutschlands ärmste Kinder wohnen

Die Kinderarmut in Deutschland geht zurück, die Bundesagentur für Arbeit feiert das als Erfolg. Doch eine neue Studie offenbart große regionale Unterschiede. In Teilen der Bundesrepublik lebt jedes dritte Kleinkind in einer Hartz-IV-Familie.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,812752,00.html

Kinderarmut in Deutschland Übersicht 

http://www.spiegel.de/flash/flash-27960.html

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Frau von der Leyen jetzt Frau Schwesig hat noch viel zu tun

 

Quelle des Berichts:

http://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2012-02/kinderarmut-statistik 

Die Zahlen klingen gut: Die Kinderarmut sinkt. Schaut man genau hin, hat sich nicht viel verändert. Über Hartz-IV-Sätze und frühe Bildung muss weiter gesprochen werden.

Ursula von der Leyen versprüht angesichts der neuen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit, Optimismus: "Die Kinderarmut sinkt!" Doch die Statistik verschleiert vieles. Statt über einen nur sehr mäßigen Erfolg zu jubeln, sollten Arbeits- und Familienpolitiker lieber über die Höhe der Hartz-IV-Sätze für Kinder nachdenken und mehr in Ganztagsschulen und frühkindliche Bildung investieren.

Die Statistik: 1,9 Millionen Kinder unter 15 Jahren mussten im September 2006 Hartz-IV-Leistungen beziehen, fünf Jahre später, im September 2011, waren es noch knapp 1,64 Millionen. Dies entspricht einem Rückgang um etwa 257.000 oder 13,5 Prozent. Das klingt auf den ersten Blick wirklich gut. Die regionalen Unterschiede sind jedoch eklatant: In Bundesländern wie Baden-Württemberg und Bayern hat sich die Zahl der Hartz-IV-Kinder um mehr als 20 Prozent reduziert. In Berlin, der Hauptstadt der Arbeitslosen und Hartz-IV-Empfänger, ging die Zahl nur um 1,2 Prozent zurück. Nach wie vor beziehen in manchen Bezirken der Hauptstadt mehr als 50 Prozent der Kinder Hartz-IV-Leistungen – unter anderem im Regierungsbezirk Mitte.

Die demografische Entwicklung beschönigt die Zahlen

Weiter gedämpft wird der Optimismus, wenn man sich anschaut, wie die demografische Entwicklung die Zahlen beschönigt. Denn in Deutschland ist die Zahl der unter 15-Jährigen seit 2006 um fast 750.000 zurückgegangen. Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers resümiert nüchtern: "Wenn es also immer weniger Kinder gibt, so ist es keine Überraschung, dass in absoluten Zahlen betrachtet auch immer weniger Kinder von Sozialleistungen leben." Wer sich deshalb nicht an den absoluten Zahlen orientiert, sondern prozentual ausrechnet, wie viele Kinder jeweils in den Jahren 2006 und 2011 von Hartz IV lebten, kommt auf eine andere Zahl: Dann ist in den letzten fünf Jahren die Quote nur um 1,5 Prozentpunkte gesunken. 2006 sind laut Hilgers Rechnung 16,6 Prozent der Kinder Hartz-IV-abhängig gewesen, im vergangenen Herbst 15,1 Prozent. "Der Jubel von Arbeitsministerin von der Leyen ist völlig unangebracht", meint Hilgers.

Noch eine statistische Tücke: In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen, ging die Zahl der minderjährigen Hartz-IV-Empfänger unter 14 Jahren überdurchschnittlich stark zurück. Dies dürfte jedoch weniger mit einer rasant gewachsenen Zahl an Arbeitsplätzen zu tun haben als mit der Abwanderung junger Familien.

Auch Menschen mit niedrigem Lohn sind arm

Darüber hinaus beziehen sich die Zahlen nur auf die Kinder der Hartz-IV-Empfänger. Markus Grabka, Sozialexperte im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), warnt auch deshalb davor, die Zahlen zu positiv auszulegen. Er meint, der derzeitige wirtschaftliche Erfolg Deutschlands könne nicht über den fast unveränderten Sockel an Armen hinwegtäuschen. Nicht mehr von der "Stütze" leben zu müssen, sei für viele Eltern längst keine Garantie mehr, nicht von Armut betroffen zu sein. Das Risiko bestehe gerade auch für Familien, deren Einkommen sich aus dem Niedriglohnsektor speise.

Kindungerecht

Bei allem Streit über die Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze hat es die Regierung versäumt, die Bedürfnisse der Kinder zu berücksichtigen. Der Streit um ein paar Euro hat überdeckt, dass die Jüngsten auch nach der Mini-Reform zu leiden haben.

von Heinz Hilgers – 13.03.2011

Quelle des Berichts:

Bildung und gesellschaftliche Teilhabe gehören für Kinder ebenso zum Existenzminimum wie Ernährung, Kleidung oder eine gute Gesundheitsvorsorge. Dies hat das Bundesverfassungsgericht in seiner Entscheidung im Februar 2009 festgestellt. Die zentralen Kritikpunkte spielten bei dem langen Tauziehen zwischen Regierung und Opposition allerdings kaum eine Rolle. Stattdessen wurde über eine Erhöhung des Regelsatzes für Erwachsene von fünf oder acht Euro gestritten. Das Ergebnis ist enttäuschend und führt zu keiner wesentlichen Verbesserung für Kinder in unserem Land. Der Deutsche Kinderschutzbund fordert daher gemeinsam mit anderen Verbänden eine transparente, sozial gerechte und besteuerte Kindergrundsicherung von 502 Euro monatlich.

Gesunder Menschenverstand fehlt

Bei der Berechnung der Regelsätze für Kinder wurden die tatsächlichen Ausgaben der unteren 20 Prozent der Paarhaushalte mit einem Kind betrachtet. Zuvor wurden die Kinderbedarfe nicht separat ermittelt, sondern einfach prozentual vom Erwachsenenregelsatz abgeleitet. Allerdings bleibt nach wie vor offen, ob die in der Referenzgruppe erfassten Haushalte nicht selbst deutlich unterversorgt sind. So wurden Aufstocker, Kinderzuschlag- und Wohngeldbezieher ebenso nicht aus der Stichprobe entfernt wie Haushalte, die eigene Leistungsansprüche an das SGB II / SGB XII nicht geltend machen („verdeckte Armut“). Haushalte, die selbst von Sozialtransfers leben, können keine passende Grundlage zur Berechnung von Sozialtransfers sein.

Es hätte zumindest geprüft werden müssen, ob die Ausgaben der Referenzhaushalte nach dem gesunden Menschenverstand ausreichen, um eine Mindestversorgung sicherzustellen, auch wenn eine solche Prüfung durch das BVerfG nicht explizit gefordert wurde. Stattdessen werden Sätze als bedarfsgerecht angenommen, die das nie und nimmer sein können: Für Kinder bis sechs Jahre werden etwa zwei Euro pro Tag für Nahrungsmittel gezahlt, für Kinder bis 14 Jahre sind es ca. 3,20 Euro pro Tag. Beides reicht nicht für eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Auch zielt es an der Lebenswirklichkeit vorbei, mit monatlich sechs Euro sämtliche Hygiene- und Gesundheitspflegeartikel für einen Säugling bezahlen zu können. Die Liste lässt sich problemlos fortsetzen.

Ins Blaue geschätzt

Kommen wir zu dem zweiten großen Reformprojekt: den Bildungs- und Teilhabegutscheinen. Das BVerfG hat deutlich gemacht, dass die Bedarfe für Bildung und Teilhabe zum Existenzminimum von Kindern und Jugendlichen gehören und in der Höhe gut begründet werden müssen. Für jedes Schulkind werden jährlich 100 Euro für den Schulbedarf gezahlt. Diese Summe ist nach wie vor „ins Blaue hinein geschätzt“ und nicht empirisch begründet. Auch die über Gutscheine gewährten Aufwendungen für Schulausflüge und mehrtägige Klassenfahrten in Höhe von 30 Euro oder für Mitgliedsbeiträge, Musikunterricht oder die Teilnahme an Freizeiten von 120 Euro im Jahr sind in ihrer Höhe unbegründet und völlig unzureichend. Die Mitgliedsbeiträge in Vereinen, die Kosten für ein Instrument oder Sportkleidung sowie die sonstigen anfallenden Mehrausgaben übersteigen das Budget bei Weitem.

Hinzu kommt, dass Gutscheinmodelle grundsätzlich kritisch zu bewerten sind. Ein hoher Verwaltungsaufwand mit entsprechenden finanziellen Investitionen, von denen kein Kind auch nur einen einzigen Euro sehen wird, geht einher mit einer die Elternautonomie untergrabenden stigmatisierenden Sichtweise auf die Erziehungsberechtigten.

Mehr Informationen finden Sie unter www.dksb.de und www.kinderarmut-hat-folgen.de.

Steigende Kinderarmut in Deutschland

Quelle: http://www.online-artikel.de/article/steigende-kinderarmut-in-deutschland-51537-1.html

 
Jedes dritte Kind ist arm in der Bundesrepublik Deutschland
 
Die steigende Kinderarmut in Deutschland nimmt beängstigende Ausmaße an. In einem Wohlstandsland wie Deutschland eigentlich undenkbar und dennoch wahr. Die zunehmende Arbeitslosigkeit, die steigenden Preise und Harz IV haben daran einen nicht unerheblichen Anteil. Spenden allein können hier nur die gröbste Not lindern.

Kinder, die nicht einmal genügend warme Kleidung für den Winter haben und deren Eltern für Pausenbrote kein Geld haben. Die eigens dafür eingerichteten Tafeln, bei denen sich Kinder eine warme Mahlzeit holen können, gibt es nicht in genügender Anzahl. Sie können nur einen kleinen Teil der Not auffangen. Die harte Wirklichkeit draußen ist grausam und die Notleidenden sind wieder einmal die, die sich am wenigsten wehren können. Längst sind Politik und Gesellschaft zum Handeln aufgerufen. Ein Wirtschaftsland wie Deutschland mit einem so hohen Lebenswert kann es sich weder moralisch noch sonst leisten, dass hier Kinder hungern und kein adäquates Umfeld zur Verfügung haben. Letztendlich sind wir alle aufgerufen, unseren Beitrag zu leisten. Sei es durch Spenden an die einschlägigen Institutionen oder durch ganz simple Nächstenhilfe, beides ist wirksam. Nur eines geht überhaupt nicht, Wegschauen!

Hass, Kriminalität und verbitterte Erwachsene, so könnte die Bilanz der heutigen Kinderarmut in Deutschland in ein paar Jahren aussehen. Ein erschreckender Gedanke, aber keinesfalls abwegig. Fehlende Zukunftsaussichten und motivierende Perspektiven lassen einen derart negativen Ausblick zu. Gesellschaftlicher Abstieg und krasse Gegensätze zwischen denen, die alles haben und denen, die nicht einmal das Minimum zum Leben haben, sind die Folge. Die Kinderarmut in Deutschland ist ein alarmierender Zustand, der nicht alleine als solches zu begreifen sein sollte, sondern klar eine beunruhigende Linie in den Strukturen unserer Gesellschaft aufweist. Diese Kinder können nicht isoliert gesehen werden. Sie spiegeln einen Teil unseres Landes, einen Teil unseres Sozialstaates in krasser Form wieder. Wir sehen sie auf den Straßen und auf den Spielplätzen. Später treffen wir sie als Lehrstellen suchende Jugendliche, als Arbeit suchend, im Idealfall in Arbeit oder auf dem Sozialamt wieder. Wer weiß das schon genau?

Die steigende Kinderarmut in Deutschland geht uns alle an. Spenden Sie nicht nur Geld, sondern spenden Sie Mut und Hoffnung und vor allem geben Sie diesen Kindern eine echte Chance.

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